LP | CD


Computer Musik

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CD

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Abgegebene Stimmen: 216
Beginn der Abstimmung: 28.6.2010, 07:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -


Der Siegeszug der CD Mitte der 80-er Jahre war gleichzeitig eine bittere Niederlage f├╝r die LP* – und ein Sieg des Digitalen ├╝ber das Analoge. Doch bis heute streiten sich die Fachleute, was besser klingt. Wir haben keine Ahnung und begeben uns lieber auf die Suche nach einem Sieg des Analogen ├╝ber das Digitale. Dabei holen wir weitaus weiter aus:

Ada Lovelace

Ada Lovelace

Fast h├Ątten wir neulich den 100. Geburtstag von Konrad Zuse mit einem WIDL begangen, unterlie├čen dies dann aber. Denn wer w├Ąre ├╝berhaupt der richtige „Partner“ f├╝r den Erbauer des ersten Computers? Vielleicht Charles Babbage, den auch Zuse als „eigentlichen Vater des Computers“ bezeichnet? Oder eher Alan Turing als einflussreichster Theoretiker der fr├╝hen Informatik? Vielleicht John von Neumann, den Urheber des seriellen Prinzips? Gar Wilhelm Schickard, der bereits 1623 die erste Rechenmaschine baute? Oder besser Ada Lovelace, die im fr├╝hen 19. Jahrhundert das erste Computerprogramm schrieb? (Ihr habt bessere Vorschl├Ąge? Gerne in die Kommentare!) Was das mit der Fragestellung „LP | CD“ zu tun hat? Einen Moment, bitte.

(PDF, 171 KB)

(PDF, 171 KB)

Die Besch├Ąftigung mit Konrad Zuse und den anderen Heroen der Computergeschichte f├╝hrt jedenfalls direkt zur Frage, ob es das eigentlich gibt, Computergeschichtsschreibung. Hm? Nur 50 Google-Treffer zeugen davon, dass es wohl noch nicht viele Computerhistoriker gibt. Aber gleich der erste Treffer gibt vielleicht einen Hinweis, warum. In dem Aufsatz „Methodische Probleme der Computergeschichtsschreibung“ (von 1995!) beschreibt Michael Friedewald eine grundlegende Schwierigkeit des Computerhistorikers: Die rasante Entwicklung von Hard- wie Software entzieht ihm permanent seine Quellen. Alte Programme laufen nicht mehr auf neuen Rechnern. Und alte Computer, auf denen sie begutachtet werden k├Ânnten, stehen allenfalls noch im Museum zur Verf├╝gung und sind ihrerseits dem Verfall ausgesetzt. Dasselbe gilt f├╝r die Medien, auf denen Software gespeichert wird. Wer kann heute noch eine 8-Zoll-Diskette lesen? Und wer in 20 Jahren eine DVD? Sind die Daten dann ├╝berhaupt noch abrufbar? Und nochmal: Was hat das mit LP und CD zu tun? Gemach.

KC 85/2-Platine

KC 85/2-Platine

Eine besonders interessante Herausforderung f├╝r Computerhistoriker bieten die DDR-Rechner. Der am weitesten verbreitete Computer war die KC-85-Serie, die ab 1984 vom VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ M├╝hlhausen gebaut wurde. CPU-Basis war der DDR-8-Bit-Prozessor U880, der aus dem 8080-kompatiblen Z80 von Zilog revers engineert wurde und mit 1,75 MHz getaktet war. 32 KB RAM (im KC 85/2), ROM-BASIC (ab KC 85/3) und sogar eine V.24 (├╝ber Zusatzmodul) erm├Âglichten auch Privatnutzern erste PC-Erfahrungen – sofern sie 4.300 Mark (f├╝r den KC 85/3) er├╝brigen konnten und eines der wenigen Ger├Ąte ergattern konnten, die nicht f├╝r die Volksbildung ben├Âtigt wurden. Das Betriebssystem CAOS wurde – wie der Name („Cassette Aided Operating System“) sagt – vom Cassettenrecorder geladen. Programmiert werden konnte in BASIC, Assembler, Forth und Pascal. Im DDR-Schulfunk wurde das „BASIC 1×1 des Programmierens“, sp├Ąter auch „Einf├╝hrung in Maschinencode“ ausgestrahlt. Auch die dazugeh├Ârigen Beispielprogramme wurden gesendet und konnten per Cassettenrecorder aufgenommen werden.

Eine harte Nuss also f├╝r Computerhistoriker, die sich gerne mal KC-85-Software angeschaut h├Ątten. Zwar haben r├╝hrige Fans mittlerweile sogar Windows-Emulatoren f├╝r den KC 85 ersonnen. Aber wo findet man die dazugeh├Ârige Software? Die ├╝berraschende Antwort f├╝r all diejenigen, die jetzt endg├╝ltig die Ausgangsfrage vergessen haben: M├Âglicherweise im Schrank zwischen alten LPs von Karat, Silly und Pankow. Denn hier ist er, der Sieg des Analogen ├╝ber das Digitale: Auf einer Datenschallplatte, die vom DDR-Jugendradio DT64 begleitend zu einem Buch gepresst wurde.
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* Wir benutzen hier die Abk├╝rzung LP, obwohl wir eigentlich die Vinylplatte meinen. „LP | CD“ klingt einfach besser.

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Montag, Juni 28th, 2010 Computer, Musik
 

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