Robinson | Freitag


Literatur

Robinson
Freitag

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Abgegebene Stimmen: 76
Beginn der Abstimmung: 19.7.2010, 09:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -


fragebogenrobinson5Wie neulich angekündigt, waren wir vergangenen Donnerstag im Theater. Im kleinen, feinen Tübinger Zimmertheater wurde zum letzten Mal “Robinson und Freitag” gespielt. Und wir nutzten die Gelegenheit, dem Tübinger Publikum einen Stimmzettel (rechts) unter die Nase zu halten.* Jenes las alles genau durch, kratzte sich mit dem mitgelieferten Bleistift am Kopf und beschloss, erst einmal das Stück anzuschauen.

Wir erlebten einen äußerst kurzweiligen Theaterabend. Zwei Schauspieler, die offenbar viel Spaß an der Sache hatten, eine aus einem Stück dreieckigen Tuches bestehende minimale Ausstattung, mit der man von Insel über Boot und Strand bis hin zum Lagerfeuer scheinbar alles simulieren konnte, und Requisiten, die dernièrenbedingt nicht immer waren, was sie schienen, erweckten ein Stück zum Leben, das Grundfragen von Philosophie, Religion, Ethnologie und Kulturgeschichte aufwarf, sie glücklicherweise aber nicht abschließend beantwortete.

Anders war es mit den Stimmzetteln, denn das Tübinger Publikum hatte nach weiterem Kopfkratzen nicht nur Antworten auf unsere Fragen, sondern auch luzide vorgebrachte Begründungen dafür. Da wir nicht explizit angegeben hatten, ob wir die Charaktere des Theaterstücks oder des Buches bewertet haben wollten (oder gar die schauspielerische Leistung der beiden Akteure), gaben etliche Zuschauer mehrere Antworten oder differenzierten ihre Wahl. Nur drei Antwortende – bei insgesamt 27 abgegebenen Stimmzetteln – wollten oder konnten sich nicht entscheiden, wobei die verblüffende Begründung in einem Fall lautete: “Ist doch das Selbe in Grün!” Einer kreuzte beide Protagonisten an und gab dafür als Grund an: “Aufeinander abgestimmtes Paar. Robinson ist ohne Freitag NICHTS und umgekehrt.” Ein anderer tat dasselbe mit der paradoxen Begründung: “Weil ich der einzige bin, der für ihn stimmt!”

Neun Befragte entschieden sich für den der Buchvorlage gar nicht so fernen Robinson aus folgenden Gründen:

  • [Kryptisch-analytisch:] “Ohne innere Ruhe keine äußere Gelassenheit => dann auch kein Freitag.”
  • [Pädagogisch:] “weil er lernen darf”
  • [Aristotelisch:] “Weil er es einem ermöglicht hat, selber in diese Rolle zu schlüpfen.”
  • [Philosophisch-kulinarisch:] “Träume haben, aber nicht die falschen. – Wer Schoko-Ostereier mit Salz ist …”
  • [Gegen den Freitags-Trend:] “Der Mann ist einfach lässig.”
  • [Den Schauspieler bewundernd:] “tolle Wutausbrüche!”

Klarer Abendsieger mit neunzehn Stimmen aber war Freitag, der sich im Theaterstück gegen die Konvention seiner Menschenfresser-Gesellschaft auflehnt und den edlen Wilden gibt. Folgendes sprach für ihn:

  • [Schlicht:] “besserer Name”
  • [Idealistisch:] “Robinson bin ich doch schon selbst und Freitag ist ganz wichtig, weil er das versucht, beispielhaft zu leben, von dem wir anderen träumen.”
  • [Bauchabstimmung:] “einfach so”
  • [Im Widerspruch verwickelt:] “Ich kann mich nicht entscheiden”
  • [Literarisch:] “Ich lese gerade Mr. Cruso, Mrs. Barton und Mr. Foe, und Robinson ist da recht übel portraitiert.”
  • [Mathematisch:] “Freitag bricht mehr Konventionen als Robinson”
  • [Ausführlich:] “Mehr wegen seiner Funktion als Wochentag, denn als Person. Aber wer mit einer Type wie Robinson klar kommt, ist mein Held.”
  • [Simplizistisch:] “Wilder mit selbstentwickelter Moral”
  • [Aktionistisch:] “mehr Taten (=Freitag) statt großer Worte (=Robinson)”
  • [Verzweifelt:] “Ich habe den Film nur auf Franz. gesehen und nichts geblickt, aber ‘Vendredi’ ist der coolere Name.”
  • [Coiffeuresk:] “Weil keine Haare auf einer einsamen Insel praktischer sind.”
  • [Stückimmanent:] “kann denken & handeln & nölt nicht rum”
  • [Rebellisch:] “Freitag bricht mehr Konventionen als Robinson”
  • [Entwaffnend:] “Freitag ist mein Lieblingstag”
  • [Direkt:] “Der hat mit dem ganzen Scheiß hier nix zu tun!”
  • [Wochenendophil:] “Freitag ist einfach der schönste Tag der Woche; wer heißt wie ‘Freiheit’ und wie ‘Juhu-Wochenende’, der hat die Stimme verdient.”
  • [Wochentagophil:] “Wer nach einem Wochentag benannt ist, kann nur gewinnen.”

Beim weingetränkten Ausklang auf der Theaterterrasse überm stocherkahnbefüllten Neckar gelang es uns noch, den beiden Schauspielern Autogramm, Stimme und Begründung zu entlocken. Endre Holéczy alias “Freitag” – der im Stück aber gar nicht Freitag hieß – stimmte für Robinson mit der Einschränkung: “ich mag Freitag an Donnerstagen!” Und Moritz Peters alias “Robinson” – der im Stück jedoch Kruse hieß – wählte Freitag: “Weil danach ist Wochenende. Und der Mantel ist cool.” Letzteres verstehen jetzt nur diejenigen, die dabei waren. Alle anderen: Selber schuld!

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* An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank ans Zimmertheater fürs Mitspielen.

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Montag, Juli 19th, 2010 Literatur

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