Robinson | Freitag


Literatur

Robinson
Freitag

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Abgegebene Stimmen: 92
Beginn der Abstimmung: 19.7.2010, 07:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -


fragebogenrobinson5Wie neulich angek├╝ndigt, waren wir vergangenen Donnerstag im Theater. Im kleinen, feinen T├╝binger Zimmertheater wurde zum letzten Mal „Robinson und Freitag“ gespielt. Und wir nutzten die Gelegenheit, dem T├╝binger Publikum einen Stimmzettel (rechts) unter die Nase zu halten.* Jenes las alles genau durch, kratzte sich mit dem mitgelieferten Bleistift am Kopf und beschloss, erst einmal das St├╝ck anzuschauen.

Wir erlebten einen ├Ąu├čerst kurzweiligen Theaterabend. Zwei Schauspieler, die offenbar viel Spa├č an der Sache hatten, eine aus einem St├╝ck dreieckigen Tuches bestehende minimale Ausstattung, mit der man von Insel ├╝ber Boot und Strand bis hin zum Lagerfeuer scheinbar alles simulieren konnte, und Requisiten, die derni├Ęrenbedingt nicht immer waren, was sie schienen, erweckten ein St├╝ck zum Leben, das Grundfragen von Philosophie, Religion, Ethnologie und Kulturgeschichte aufwarf, sie gl├╝cklicherweise aber nicht abschlie├čend beantwortete.

Anders war es mit den Stimmzetteln, denn das T├╝binger Publikum hatte nach weiterem Kopfkratzen nicht nur Antworten auf unsere Fragen, sondern auch luzide vorgebrachte Begr├╝ndungen daf├╝r. Da wir nicht explizit angegeben hatten, ob wir die Charaktere des Theaterst├╝cks oder des Buches bewertet haben wollten (oder gar die schauspielerische Leistung der beiden Akteure), gaben etliche Zuschauer mehrere Antworten oder differenzierten ihre Wahl. Nur drei Antwortende – bei insgesamt 27 abgegebenen Stimmzetteln – wollten oder konnten sich nicht entscheiden, wobei die verbl├╝ffende Begr├╝ndung in einem Fall lautete: „Ist doch das Selbe in Gr├╝n!“ Einer kreuzte beide Protagonisten an und gab daf├╝r als Grund an: „Aufeinander abgestimmtes Paar. Robinson ist ohne Freitag NICHTS und umgekehrt.“ Ein anderer tat dasselbe mit der paradoxen Begr├╝ndung: „Weil ich der einzige bin, der f├╝r ihn stimmt!“

Neun Befragte entschieden sich f├╝r den der Buchvorlage gar nicht so fernen Robinson aus folgenden Gr├╝nden:

  • [Kryptisch-analytisch:] „Ohne innere Ruhe keine ├Ąu├čere Gelassenheit => dann auch kein Freitag.“
  • [P├Ądagogisch:] „weil er lernen darf“
  • [Aristotelisch:] „Weil er es einem erm├Âglicht hat, selber in diese Rolle zu schl├╝pfen.“
  • [Philosophisch-kulinarisch:] „Tr├Ąume haben, aber nicht die falschen. – Wer Schoko-Ostereier mit Salz ist …“
  • [Gegen den Freitags-Trend:] „Der Mann ist einfach l├Ąssig.“
  • [Den Schauspieler bewundernd:] „tolle Wutausbr├╝che!“

Klarer Abendsieger mit neunzehn Stimmen aber war Freitag, der sich im Theaterst├╝ck gegen die Konvention seiner Menschenfresser-Gesellschaft auflehnt und den edlen Wilden gibt. Folgendes sprach f├╝r ihn:

  • [Schlicht:] „besserer Name“
  • [Idealistisch:] „Robinson bin ich doch schon selbst und Freitag ist ganz wichtig, weil er das versucht, beispielhaft zu leben, von dem wir anderen tr├Ąumen.“
  • [Bauchabstimmung:] „einfach so“
  • [Im Widerspruch verwickelt:] „Ich kann mich nicht entscheiden“
  • [Literarisch:] „Ich lese gerade Mr. Cruso, Mrs. Barton und Mr. Foe, und Robinson ist da recht ├╝bel portraitiert.“
  • [Mathematisch:] „Freitag bricht mehr Konventionen als Robinson“
  • [Ausf├╝hrlich:] „Mehr wegen seiner Funktion als Wochentag, denn als Person. Aber wer mit einer Type wie Robinson klar kommt, ist mein Held.“
  • [Simplizistisch:] „Wilder mit selbstentwickelter Moral“
  • [Aktionistisch:] „mehr Taten (=Freitag) statt gro├čer Worte (=Robinson)“
  • [Verzweifelt:] „Ich habe den Film nur auf Franz. gesehen und nichts geblickt, aber ‚Vendredi‘ ist der coolere Name.“
  • [Coiffeuresk:] „Weil keine Haare auf einer einsamen Insel praktischer sind.“
  • [St├╝ckimmanent:] „kann denken & handeln & n├Âlt nicht rum“
  • [Rebellisch:] „Freitag bricht mehr Konventionen als Robinson“
  • [Entwaffnend:] „Freitag ist mein Lieblingstag“
  • [Direkt:] „Der hat mit dem ganzen Schei├č hier nix zu tun!“
  • [Wochenendophil:] „Freitag ist einfach der sch├Ânste Tag der Woche; wer hei├čt wie ‚Freiheit‘ und wie ‚Juhu-Wochenende‘, der hat die Stimme verdient.“
  • [Wochentagophil:] „Wer nach einem Wochentag benannt ist, kann nur gewinnen.“

Beim weingetr├Ąnkten Ausklang auf der Theaterterrasse ├╝berm stocherkahnbef├╝llten Neckar gelang es uns noch, den beiden Schauspielern Autogramm, Stimme und Begr├╝ndung zu entlocken. Endre Hol├ęczy alias „Freitag“ – der im St├╝ck aber gar nicht Freitag hie├č – stimmte f├╝r Robinson mit der Einschr├Ąnkung: „ich mag Freitag an Donnerstagen!“ Und Moritz Peters alias „Robinson“ – der im St├╝ck jedoch Kruse hie├č – w├Ąhlte Freitag: „Weil danach ist Wochenende. Und der Mantel ist cool.“ Letzteres verstehen jetzt nur diejenigen, die dabei waren. Alle anderen: Selber schuld!

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* An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank ans Zimmertheater f├╝rs Mitspielen.

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Montag, Juli 19th, 2010 Literatur
 

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