Beinbrech | Roter Gitterling
Beginn der Abstimmung: 3.1.2011, 08:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -
Die “Blume des Jahres” wird von der “Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung Loki Schmidt” gekürt. 2011 ist dies der Beinbrech (Narthecium ossifragum). Loki Schmidt war es auch, die die Laudatio auf ihn schrieb:
Ich kenne diese Pflanze seit über 80 Jahren und habe sie damals als Kind etwa 10 Min. von uns hier in einem Moorloch entdeckt.
Damals gab es hier auf der Höhe kaum Häuser. Wir Kinder waren in den Schulferien immer hier in Fischbek-Neugraben bei unseren Großeltern, die sich 1908 unten in der Heide ein großes Grundstück gekauft hatten. 2 Pfennig pro qm – wie mein Großvater mir mal erzählte. Die Bauern in Fischbek und Neugraben konnten mit dem mageren Heideboden wenig anfangen. Es gab in der Nähe der Dörfer einige Buchweizenfelder. Manchmal säte auch ein Bauer gelbe Lupinen, die untergepflügt wurden, um den Boden etwas zu verbessern.
Bienen wie in der südlichen Heide wurden hier kaum gehalten. In den 30er Jahren entstand hier in der Nähe ein Segelflugplatz. Es gab eine Art Jugendherberge mit dem schönen Namen “Mudder Rieck”, in der mein Mann und ich als Klassenkameraden 1930 unsere erste “Klassenreise” machten. Aber fast genug Vergangenheit. Ich wollte nur deutlich machen, dass mir dieser nördliche Zipfel der Lüneburger Heide seit vielen Jahrzehnten vertraut ist – und die Pflanzenwelt hier natürlich auch.
Denn 1930 machte ich meine Jahresarbeit – jeder in der Klasse über ein selbstgewähltes Thema – natürlich über die Pflanzen eines kleinen Hochmoores hier ganz in der Nähe. Das Wort “Biotop” gab es noch nicht. Aber es war eine sorgfältige Beschreibung aller Pflanzen in dem kleinen Moor und meine Zeichnungen dazu. Außer dem abenteuerlichen insektenfangenden Sonnentau war für mich die schönste Pflanze “die Blume des Jahres 2011″, der Beinbrech oder auch Moorlilie. Den poetischen Namen “Moorlilie” habe ich erst kürzlich von den Mitgliedern des Stiftungsvorstandes kennengelernt. [Original-Rede]
Wie der Beinbrech ist auch der Rote Gitterling (Clathrus ruber) sehr selten. Mit bislang etwa 90 Funden in Deutschland so selten, dass die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) dazu aufruft, Vorkommen dieses ungewöhnlichen Pilzes zu melden. Glücklicherweise ist dieser Pilz nicht nur kinderleicht zu erkennen, sondern auch zu riechen:
Im Pilzreich ist der ungenießbare Rote Gitterling mit seinen nahen Verwandten, den Stinkmorchelartigen und anderen Gitterlingsartigen die Krone der Schöpfung. Pilze mit normalem Aussehen wie Fliegenpilz, Steinpilz, Pfifferling und Co. verbreiten ihre Sporen durch den Wind. Beim Roten Gitterling hat sich im Laufe der Evolution eine raffinierte Strategie entwickelt, die die Sporenverbreitung nicht mehr dem Zufall überläßt. Durch die rote Farbe und den Aasgeruch wird gezielt die Lieblingsspeise der Schmeißfliegen imitiert: verwesendes Fleisch. Auf der Innenseite der Gitterkugel befindet sich die grünliche Sporenmasse, die durch die angelockten Fliegen gierig aufgesaugt wird. Somit ist die gezielte Sporenverbreitung gesichert.
Der Fachmann nennt das Endozoochorie. Die Pilzsporen werden im Verdauungstrakt der Insekten transportiert und landen nach der Ausscheidung idealer Weise wieder direkt auf Erde, wo sie auskeimen. Der Kreislauf ist geschlossen. [Original-Beschreibung]
Weitere Tiere und Pflanzen des Jahres 2011:
| Name | wissenschaftlicher Name | vergeben seit | |
|---|---|---|---|
| Vogel | Gartenrotschwanz | Phoenicurus phoenicurus | 1971 |
| Blume | Beinbrech (oder Moorlilie) | Narthecium ossifragum | 1980 |
| Fisch | Äsche | Thymallus Thymallus | 1984 |
| Arzneipflanze | Passionsblume | Passiflora incarnata | 1987 |
| Baum | Elsbeere | Sorbus torminalis | 1989 |
| Orchidee | Zweiblättrige Waldhyazinthe | Platanthera bifolia | 1989 |
| Heilpflanze | Rosmarin | Rosmarinus officinalis | 1990 |
| Tier | Eurasischer Luchs | Lynx lynx | 1992 |
| Dinosaurier | Jürgen Großmann | Rückwärts-Energie (RWE) | 1993 |
| Pilz | Roter Gitterling | Clathrus ruber | 1994 |
| Streuobstsorte | Birne Herzogin Elsa | Pyrus communis | 1998 |
| Insekt | Große Kerbameise | Formica exsecta | 1999 |
| Spinne | Gemeine Labyrinthspinne | Agelena labyrinthica | 2000 |
| Staude | Fetthenne (PDF) | Sedum | 2000 |
| Schmetterling | Großer Schillerfalter | Apatura iris | 2003 |
| Weichtier | Zierliche Tellerschnecke (PDF) | Anisus vorticulus | 2003 |
| Flechte | Gewöhnliche Feuerflechte | Fulgensia fulgens | 2004 |
| Giftpflanze | Eibe | Taxus baccata | 2005 |
| Moos | Tännchenmoos | Abietinella abietina | 2005 |
| Reptil | Mauereidechse | Podarcis muralis | 2006 |
| Höhlentier | Großes Mausohr | Myotis myotis | 2009 |
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Ein gutes Neues!
Sagt mal, werden jetzt schon alte WIDLs recycled? Ich hab doch tatsächlich Cher entdeckt ;-)
Auch Panzerknacker haben Bedürfnisse.