Karl Valentin | Liesl Karlstadt


Film Literatur

Karl Valentin
Liesl Karlstadt

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Abgegebene Stimmen: 145
Beginn der Abstimmung: 14.2.2011, 07:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -


Heute ist Valentinstag. Eine gute Gelegenheit, den gro√üen Humoristen, Komiker und St√ľckeschreiber Karl Valentin gemeinsam mit seiner langj√§hrigen Schauspielpartnerin Liesl Karlstadt mit einem WIDL zu w√ľrdigen.

Bei Youtube fand sich auch prompt eine Handvoll Videos, von denen uns eines besonders gefiel (und auch die WIDL-Grafik inspirierte): „In der Apotheke“. Darin versucht Karl Valentin in seiner unnachahmlichen Art, der stets bem√ľhten Apothekerin Liesl Karlstadt zu erkl√§ren, welches Medikament er gerne h√§tte. Leider hat er den Namen vergessen. Nach und nach finden sie gemeinsam heraus, dass es sich wohl nur um Isoprophenylpropyldimetylamidolon (so √§hnlich, nur viel l√§nger) handeln k√∂nne, ein Pr√§parat, dessen Namen Liesl Karlstadt so beil√§ufig auszusprechen in der Lage ist, wie unsereins „Schnupfen“ oder „Aspirin“ sagt. Leider war die Akustik des Videos etwas fragw√ľrdig, was uns auf die Idee brachte, den Text zu transkribieren und hier zu ver√∂ffentlichen.

Sicherheitshalber fragte ich gut zwei Wochen vor dem geplanten Ver√∂ffentlichungstermin bei der Karl-Valentin-Gesellschaft nach, ob wir das √ľberhaupt d√ľrfen. Da auf die Mail keine Antwort kam, benutzte ich einige Tage sp√§ter das Kontaktformular auf der offiziellen Webseite von Karl Valentin mit derselben Anfrage. Als auch hierauf keine Antwort kam, bat ich – weil nun die Zeit bis zum Erscheinungstermin etwas knapp wurde – auf dem selben Weg um R√ľckruf, und schaute mir die Seite nochmals gr√ľndlich an. Hier entdeckte ich die Adresse des Anwalts, der f√ľr die Rechte Karl Valentins zust√§ndig ist.

Vorsichtshalber schickte ich nun auch diesem die Anfrage. Prompt kam von dessen Kanzlei eine Antwort (die sich allerdings auf mein allererstes Schreiben bezog), in der es hie√ü, man freue sich grunds√§tzlich √ľber das Interesse am Werk von Karl Valentin, m√ľsse mir jedoch mitteilen, dass die angefragte Nutzung nicht m√∂glich sei. Bei dem von mir angegebenen youtube-Video handele es sich um eine rechtswidrige Nutzung des Werks „In der Apotheke“, so dass youtube dieses Video mittlerweile gel√∂scht habe.

In der Apotheke

Ein kurzer Check bei Youtube ergab, dass nicht nur dieses, sondern alle zuletzt noch verf√ľgbaren Karl-Valentin-Videos gel√∂scht waren. Vermutlich war also kein einziges der dort ver√∂ffentlichten Videos jemals autorisiert gewesen. Das war zwar schade, aber nicht zu √§ndern. Da das WIDL mittlerweile seit einigen Tagen angek√ľndigt war, wollte ich sichergehen, dass wenigstens unsere Grafik anwaltliche Gnade f√§nde und antwortete umgehend:

sch√∂nen Dank f√ľr Ihre Antwort, die uns naturgem√§√ü etwas entt√§uscht zur√ľckl√§sst. Die lange Zeit unbeanstandete Existenz dieses und anderer Youtube-Videos brachte uns auf die Idee, Ihre Mandantschaft habe diese selbst autorisiert, um den Freunden des Valentinschen Humors die M√∂glichkeit zu geben, dessen Werke auch anderen nahezubringen.

Da wir nun mit leeren H√§nden dastehen: D√ľrfen wir Ihre Antwort zitieren, um unseren Leserinnen und Lesern erkl√§ren zu k√∂nnen, warum es uns nicht m√∂glich ist, die Illustration mit Filmmaterial anzureichern? Und: Bestehen aus Ihrer Sicht Einw√§nde gegen die Grafiken an sich? Ich habe sie Ihnen hier nochmals angef√ľgt.

F√ľr Ihre M√ľhe danke ich Ihnen recht herzlich!

Zwei Stunden sp√§ter klingelte das Telefon. Karl Valentins Anwalt pers√∂nlich. Ob ich ein „Nein“ nicht als „Nein“ akzeptieren k√∂nne? Warum ich die halbe Karl-Valentin-Gesellschaft sowie seine Kanzlei auf Trab halten m√ľsse? Ob ich nicht verst√ľnde, dass es das gute Recht seiner Mandantschaft sei, die Nutzung solcher Videos zu verbieten? Ich k√∂nne, ich m√ľsse nicht und ich t√§te, antwortete ich und entschuldigte mich f√ľr die Unannehmlichkeiten, die ich ja nun wirklich nicht beabsichtigt hatte.

Wir unterhielten uns dann noch ein Weilchen und ich erfuhr, dass viele Rechte 70 Jahre nach Valentins Tod, also im Jahr 2018 ausliefen, aber nicht alle, denn Karlstadt war ja erst 12 Jahre nach ihrem B√ľhnenkollegen gestorben. Dass das Auffinden von widerrechtlich ins Netz gestellten Videos und Texten kein Honigschlecken sei und dem Kampf mit einer Hydra √§hnele. Dass √ľberhaupt st√§ndig nervige Anfragen k√§men, und dass im Zusammenhang mit dem Internet prinzipiell √ľberhaupt nichts genehmigt w√ľrde. Aber auch, dass wir die WIDL-Grafik gerne ver√∂ffentlichen k√∂nnten, man erkenne ja ohnehin nichts drauf. Ich bedankte mich und legte auf.

Seither geht mir die Geschichte ständig durch den Kopf. So oft anscheinend, dass mir heute Nacht im Traum der Karl Valentin erschien, aber nur auf der linken Seite. Auf der rechten erschien mir die Liesl Karlstadt. Grad wie auf dem Bild oben. Sie sprachen folgendes:

KV: [Betritt eine Apotheke in M√ľnchen.]: Guten Tag.
LK: [Ist die Apothekerin.]: Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?
KV: Das weiß ich nicht. Warum wollen Sie mir denn helfen?
LK: Ich meine, woran leiden Sie denn?
KV: An meiner Nachbarin. Wenn Sie mir helfen wollen, k√∂nnten Sie …
LK: Nein, nein. Benötigen Sie ein Medikament?
KV: [Zieht einen Zettel heraus.] Genau.
LK: Ah, Sie haben ein Rezept. Wie heißt es denn?
KV: Rezept.
LK: Nein, das Medikament.
KV: [Liest den Zettel.] Asporon.
LK: Pscht!
KV: [Dreht sich um, sieht aber niemand sonst in der Apotheke.] Was ist?
LK: Sie meinen wahrscheinlich Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
KV: Nein, Asporon!
LK: Pscht!
KV: Was pschten Sie denn dauernd?
LK: Sie d√ľrfen das nicht sagen.
KV: Pscht?
LK: Nein, das andere.
KV: Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
LK: Nein, das davor.
KV: Asporon?
LK: Pscht!
KV: Ja was ist denn mit dem Aspo…
LK: Pscht!
[Kramt in der Schublade, holt eine Packung Asporon heraus und zeigt sie her.]
LK: Schaun’s, hier steht’s drauf.
KV: [Holt eine Brille heraus und liest.] Asporon.
LK: Pscht! Nein! Darunter!
KV: Isoprophenylpropyldimetylamidolon. Ja, warum hei√üt das dann Aspo…
LK: Pscht! Weil das leichter auszusprechen ist als Isoprophenylpropyldimetylamidolon. Und sich drum besser verkauft.
KV: Ja dann h√§tt ich jetzt gerne das Aspo…
LK: Pscht!
KV: … dann h√§tt ich jetzt gerne das Isoprophenylpropyldimetylamidolon.
[Sch√ľttelt den Kopf.]
KV: Ja Herrgottszeiten, warum darf man denn das Aspo…
LK: Pscht!
KV: … dingsda nicht aussprechen?
LK: [Hebt den Zeigefinger.] Weil: Das ist gesch√ľtzt.
KV: Vor wem?
LK: Vor den Patienten. Dass die das nicht aussprechen.
KV: Ja, aber warum?
LK: Ja, das ist das gute Recht der Firma. Die hat das ja erfunden, und jetzt muss die das sch√ľtzen vor rechtswidrigem Gebrauch.
KV: Aha. Und wenn jetzt zum Beispiel meine Nachbarin an Encephalomalacie leidet und das Aspo… ha! … das Isoprophenylpropyldimetylamidolon dagegen hilft, dann darf ich ihr nicht sagen, dass sie das Aspo…dingsda nehmen soll?
LK: Nein, das darf nur der Arzt. Und der Apotheker.
KV: Aber nicht der Patient?
LK: Nein. Nicht der Patient. Da macht er sich ja strafbar, der Patient. Daher steht das ganz genau auf der Packung drauf.
KV: Verkaufen Sie eigentlich viel von dem … Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
LK: Nein. Fr√ľher haben wir mehr Asporon…
KV: Pscht!
LK: Ich darf das aussprechen als Apotheker.
KV: Sie sind doch gar kein Apotheker nicht.
LK: [Stellt sich auf die Zehenspitzen.] Sehr wohl, mein Herr, ich habe Pharmakologie studiert.
KV: Ja schon, aber da m√ľssen’s jetzt schon genau sein. Sie sind doch Apothekerin. Steht davon etwas auf der Packung?
LK: [Studiert die Packung.] Ich glaube nicht.
KV: Sengs.
LK: [ungeduldig] Ja wollen Sie jetzt das … Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
KV: Wollen h√§tt‘ ich schon d√ľrfen, aber trauen hab ich mich nicht gemocht.

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Montag, Februar 14th, 2011 Film, Literatur

9 Comments to Karl Valentin | Liesl Karlstadt

  1. Oje. Fast jede(r) zweite kennt Karl Valentin nicht. Das ist schade.

  2. sagte uli am Februar 14th, 2011
  3. Genau, das hat mich auch erstaunt, dass so viele Menschen Karl Valentin & Liesl Karlstadt nicht kennen. Aber die Geschichte um die Ver√∂ffentlichungsgeschichte als WIDL ist eine geniale Hommage √† Valentin & Karstadt. Nur eins noch: „WER IST DIR LIEBER“ greift bei Zwillingskomikern einfach nicht. In √§hnlich gelagerten F√§llen m√ľsste man die ILBG – Alternative haben:ICH LIEBE BEIDE GLEICHERMASSEN.

  4. sagte Helmut Bachschuster am Februar 15th, 2011
  5. Jein. Bei mir war’s klar. Als Kind hatte ich immer ein bisschen Bammel vor dem Valentin. Auf der Stra√üe wollte ich dem nicht begegnen. Karlstadt war dagegen immer die „Normale“, aber auch mal Lausb√ľbische. Heute sehe ich das nat√ľrlich anders, bewundere aber dennoch die schauspielerische Leistung der Karlstadt, die ja die Projektionsfl√§che f√ľr den Valentinschen Humor bildet.
    Das Problem mit dem „weder | noch“ vs. „alle beide“ werden wir wohl nie l√∂sen, denn f√ľnf Antworten, von denen nur zwei eine klare Antwort fordern – das w√§ren einfach zu viele.

  6. sagte uli am Februar 15th, 2011
  7. Ja, manchmal sind die sauguten Leute derma√üen kompliziert. Die Liesl Karstadt musste sehr unter Valentin leiden – und trotzdem waren die beiden f√ľr den Zuschauer-h√∂rer ein Teil der „Schule des Humors“. Zum Thema „Entscheiden“. Ich muss mich ja nicht entscheiden. Manchmal reicht es ja auch, die genialen Beschreibungen zu genie√üen!

  8. sagte Helmut Bachschuster am Februar 15th, 2011
  9. ‚Äôs ist mir als B√ľrger semibavaroider Provenienz ja doppelt peinlich, aber ich musste da oben auch auf „kenne beide nicht“ klicken. Die Namen, ja, die schon. Aber ich w√ľsste nicht mal, wie die Dam- und Herrschaften aussehen. Schade, bei DuR√∂hre Bildungsl√ľcke schlie√üen geht jetzt also auch nicht mehr …

  10. sagte chw am Februar 16th, 2011
  11. Das muss einen nicht gr√§men: Mein Kalender zeigt mir t√§glich anscheinend ber√ľhmte Leute, von denen ich noch nie etwas geh√∂rt habe und damit meine Bildungsl√ľcken – was soll’s? Ein sch√∂ner Anlass, neue, alte Leute kennen und lieben zu lernen.Was bedeutet „DuR√∂hre Bildungsl√ľcke“?

  12. sagte Helmut Bachschuster am Februar 17th, 2011
  13. DuRöhre = YouTube :)
    Der Rest der Unverständlichkeit war meinem schlampigen Satzbau geschuldet.

  14. sagte chw am Februar 19th, 2011
  15. […] Leinwand und Keilrahmen und klären zunächst dass, anschließend warum kaum einer mehr Karl Valentin […]

  16. sagte eldersign.de » Blog Archiv » hypertext goes theater – Das Letz niest IV am M√§rz 3rd, 2011
  17. Oh, das ist aber √ľberraschend das nur noch so wenige Liesl Karlstadt kennen. Eine gro√üartige Schauspielerin und Kabarettistin. Eigentlich hei√üt sie Elisabeth Wellano.

  18. sagte Alexander Zorn am März 15th, 2011
 

Nächstes WIDL am Mo, 31.8.2015:

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