Werner Enke | Uschi Glas
Beginn der Abstimmung: 25.4.2011, 09:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -
Die Jüngeren werden ihn nicht mehr kennen, den Älteren aber fallen sofort drei Stichworte ein, wenn sein Name fällt: “Daumenkino”, “Schätzchen” und “Es wird böse enden.” Bekannt wurde Werner Enke, dem wir heute zum Siebzigsten gratulieren, durch die 68er-Filmkomödie “Zur Sache Schätzchen“. Er schrieb nicht nur das Buch zum Film, sondern spielte an der Seite von Uschi Glas auch die Hauptrolle: sich selbst. Die Komödie, die bis heute Platz acht der Besuchercharts deutscher Kinos einnimmt, haucht schwarz-weiße Zeitgeschichte pur. Und bricht nebenbei eine Lanze für eine Kunstform, die bis heute ein Schattendasein führt: Das Daumenkino.
Für uns eine gute Gelegenheit, mit Volker Gerling einen anderen Virtuosen dieses Genres vorzustellen. Während Enke mit Strichmännchen arbeitet, verwendet Gerling fotografische Bilder, die er zum Laufen bringt. “Daumenkinographie” nennt er dieses Wirken an der Schnittstelle zwischen Fotografie und Film. Er beschäftigt sich seit Jahren mit fotografischen Daumenkinos und hat dazu auch ein Buch geschrieben: “Der Mantel der Eigenzeit”. Im Sommer 2002 baute Volker Gerling einen Bauchladen, auf den sechs Daumenkinos passten. Davor hängte er ein Schild mit der Aufschrift “Bitte besuchen Sie meine Wanderausstellung”. Damit lief er durch Berlin und zeigte den Menschen seine Filme. Das fand so großen Anklang, dass er beschloss, “auf die Walz zu gehen”:
“Ich wollte herausfinden, wie die Menschen auf dem Land auf meine Daumenkinos reagieren. Ausserdem wollte ich unterwegs neue Daumenkinos fotografieren. Da ich Angst hatte, etwas zu verpassen, wenn ich zu schnell reisen würde, ging ich zu Fuß. Im Sommer 2003 lief ich von Berlin über München nach Basel; zwei Jahre später weiter westlich wieder zurück. Im Sommer 2006 wanderte ich von Berlin nach Köln und im Sommer 2009 von Oldenburg nach Wismar. Den Bauchladen trug ich während dieser Zeit stets vor mir her. Insgesamt sieben Monate benötigte ich für die rund 2500 Kilometer lange Strecke und lebte nur vom Zeigen meiner Daumenkinos.”
Volker Gerlings Wanderungen dienten nicht nur dazu, seine Daumenkinofilme zu zeigen, sondern auch neue zu produzieren. Die Menschen, die er unterwegs kennenlernte, sind die Schauspieler darin. Daraus wiederum entstanden weitere Projekte, Ausstellungen und Bühnenprogramme. All das wird beschrieben auf der wunderbaren Webseite Daumenkinographie. Ostermontags-Lesebefehl!
Wer jetzt Lust hat, selbst ein Daumenkino herzustellen, dem sei mit unserem kleinen Film-Projekt “Marilyn ruft ein Taxi” geholfen. Dazu das hier downloadbare PDF (602 KB) einfach auf etwas stärkeres Papier ausdrucken oder auf Karton kleben, die einzelnen Kärtchen ausschneiden, in der nummerierten Reihenfolge zusammenkleben – und ab geht das eigene Daumenkino!
Wer schon mal spickeln möchte, wie der Film ausgeht: Hier ist ein kleines animiertes Vorschau-GIF. Zarte Gemüter sollten dabei nicht auf den Monitor schauen, allen anderen wünschen wir viel Vergnügen!
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USCHI GLAS IST SUPER .