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Computer Geschichte

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Abgegebene Stimmen: 289
Beginn der Abstimmung: 30.4.2012, 07:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -


Nachdem schon die alten Ägypter mit Stempelsiegeln, die alte Chinesen während der Sui-Dynastie mit Holztafeln, der gute alte Bi Sheng ums Jahr 1040 mit Tonlettern und zweihundert Jahre später die alten Koreaner mit Lettern aus Holz, Kupfer, Blei oder Messing herumexperimentiert hatten, schaffte es der Mainzer Johannes Gensfleisch genannt Gutenberg auch für die Europäer, endlich mal den Buchdruck richtig zu erfinden. Das war so um 1440 herum und dann überschlugen sich die Ereignisse.

Vor 555 Jahren wurde erstmals eine Verlagsangabe in ein Buch gedruckt. Wahrscheinlich lautet die Inschrift „Habe mein Buch verlegt“. Das wäre einerseits paradox, bescherte aber andererseits dem Finder eine wertvolle Inkunabel.

Vor 215 Jahren ersann Alois Senefelder die Lithographie. Der Steindruck ist das älteste Flachdruckverfahren und war im 19. Jahrhundert die einzige Möglichkeit, größere Auflagen farbiger Drucksachen herzustellen. Es wurde erst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Offsetdruck abgelöst und wird bis heute im künstlerischen Bereich verwendet. Aus Gründen.

Vor 200 Jahren erfand der Buchdrucker Friedrich Koenig die mit einer Dampfmaschine angetriebe Zylinderschnellpresse, die anstatt des bis dahin üblichen Tiegeldruckprinzips („Fläche gegen Fläche“) erstmals mit Zylindern arbeitete. Dies ermöglichte größere Druckformate und schnelleres Arbeiten. Schon zwei Jahre später wurde damit in einer Nacht die Londoner „Times“ gedruckt. Koenigs Firma besteht heute noch, vielleicht, weil sie eine Art Goldesel besitzt: Die Koenig & Bauer AG (KBA) ist nämlich Weltmarktführer im Banknotendruck.

In Birmingham erhielt vor 190 Jahren William Church nach 15 Jahren Frickelei an seiner Erfindung das erste Patent auf eine Setzmaschine. Sie besaß eine Art Tastatur und stellte die in einem Gestell befindlichen Bleilettern zu Zeilen zusammen. Da trotzdem noch zu viel Handarbeit vonnöten war, war kein ernsthaft wirtschaftlicher Einsatz dieses Verfahrens möglich. Aber das erste Textverarbeitungssystem war geboren.

Der Deutsch-Franzose Godefroy Engelmann ließ sich vor 175 Jahren die Chromolithografie patentieren. Damit konnten erstmals hoch aufgelöste und detaillierte bunte Illustrationen und Plakate gedruckt werden. Das Bild musste dazu in bis zu 21 Grundfarben zerlegt werden, die dann wiederum nach und nach übereinander gedruckt wurden. Sieht saugeil aus, ist aber schweineteuer. Immerhin: Bis heute überlebt hat das Prinzip, die Position übereinanderliegender Farben mithilfe von Passkreuzen zu markieren.

J. R. Johnson und Stain Atkinson bauten vor 150 Jahren in England die erste Komplettgießmaschine. Sie goss die einzelnen Typen mechanisch, brach den Anguss automatisch ab, schliff die Lettern, schnitt ihren Fuß aus, gab ihnen die richtige Höhe und setzte sie schließlich reihenweise auf. Leider braucht das heute keine Sau mehr.

Die erste Schreibmaschine erfand Christopher Latham Sholes zwar nicht, aber mit seinem „Sholes & Glidden Typewriter“ konnte man vor 145 Jahren so schnell schreiben wie von Hand. Das lag vor allem daran, dass diese Schreibmaschine erstmals die heute noch übliche QWERTY-Tastaturbelegung verwendete. Diese Tastenanordnung wurde von Sholes ersonnen, um mit der Platzierung von häufig zusammen auftretenden Buchstaben auf möglichst entfernt voneinander angeordneten Hebeln das bis dahin häufige Verklemmen der Typenhebel zu verhindern. Seitdem werden Tippsen bezahlt wie Terroristen: Nach Anschlägen.

Vor 115 Jahren entwickelte der amerikanische Ingenieur Tolbert Lanston eine Setzmaschine, die im Gegensatz zur bis dahin marktführenden Linotype von Ottmar Mergenthaler zwei Arbeitsschritte einsetzte: Im ersten wurden die Satzinformationen auf einem Lochstreifen gespeichert (!) und erst im zweiten die Lettern für die Druckzeilen gegossen und zusammengesetzt. Lanston nannte die Maschine Monotype. Aber auch das änderte nichts an der Marktführerschaft der Linotype. Erst 2006 schaffte es Monotype, Linotype zu kaufen. Setzmaschinen stellen aber beide schon lange nicht mehr her, sie verkaufen elektronische Schriften.

Zeitgleich, aber unabhängig voneinander kamen vor 105 Jahren Ira W. Rubel und Caspar Hermann auf die Idee, schon bestehende Rotationsmaschinen, die im Steindruckverfahren arbeiteten, mit einem dritten Zylinder pro Druckwerk zu versehen, den sie mit einem Gummituch bespannten. So konnte erstmals indirekt gedruckt werden, weshalb man dies Offsetdruck nennt – bis heute das verbreitetste Druckverfahren.

Vor 50 Jahren kam erstmals die Elektronische Datenverarbeitung bei der Satzherstellung zum Einsatz. Einige ahnten schon, dass dies früher oder später das Aus für den Bleisatz bedeuten würde. Außer an Silvester.

Vor 30 Jahren erfanden John Warnock und Charles Geschke die Seitenbeschreibungsprache PostScript und gründeten eine Firma, die sie nach dem Fluss benannten, der hinter Warnocks Haus im kalifornischen Los Altos verlief, dem Adobe Creek. PostScript und sein indirekter Nachfolger PDF sind heute Standardformate in der Druckindustrie.

Heute vor 19 Jahren, am 30.4.1993 wurde das World Wide Web, der heutige multimediale Teil des Internets auf HTML-Grundlage, zur allgemeinen Benutzung weltweit freigegeben. Seitdem wird in regelmäßigen Abständen das Ende des Drucks prophezeit.

Diese kleine Geschichte des Print gibt’s auch in Web und als PDF.

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Montag, April 30th, 2012 Computer, Geschichte

3 Comments to Print | Web

  1. wow, so viel Geschichte so kompakt, spannend und unterhaltsam, super! Da kann sogar ich mir das ein oder andere merken.

  2. sagte Emma L. am Mai 2nd, 2012
  3. Danke für diesen schönen kurzen geschichtlichen Überblick. Der Druck als Handwerk hat ja vermutlich viel von seinem Ruf verloren, seit der Laie so ernsthaft glaubt, in Word schreiben und ausdrucken sei ja irgendwie das selbe.

    Print und Web sind aber eigentlich nur bei den Nachrichten Gegner. Wenn es um Bücher geht, dann wäre da höchstens das eBook, aber die Haptik eines dicken Schinkens, in dem man auch noch mit Stiften und Postits herumsauen kann, wird mich noch lange beim Papier halten.

  4. sagte DrNI am Mai 2nd, 2012
  5. @Emma: Danke. Aber sei froh, dass ich nur die Fünferjubiläen historisiert habe.
    @DrNI: Dazu passend darf ich auf zwei Beiträge des großartigen Sprachbloggeurs hinweisen.

  6. sagte uli am Mai 2nd, 2012
 

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