Leonardo DiCaprio | Kate Winslet


Film Geschichte

Leonardo DiCaprio
Kate Winslet

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Beginn der Abstimmung: 10.4.2012, 07:00 Uhr
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Genau heute vor 10.000 Jahren fielen zwei Schneeflocken vom Himmel. „Heisa!“, rief die eine, die Smörre hieĂź, und „Hoppla!“ die andere, deren Name Thekla war. „Heisa!“, weil der Flug mitten in einem Schneesturm stattfand und Smörre ein absoluter Windfan war. „Hoppla!“, weil Thekla zeitgleich und nur wenige Millimeter neben Smörre gegen einen Stein dotzte, der aus irgendwelchen GrĂĽnden auf dem gletschrigen Inlandseis Grönlands herumlag. Beide froren auf der Stelle fest.

„Moinsen“, grinste Smörre zu Thekla hinĂĽber, die aber keine Lust zu einer Unterhaltung hatte. NatĂĽrlich konnte sie nicht wissen, dass ihr gesprächiger Nachbar sie die nächsten 10.000 Jahre Tag fĂĽr Tag zutexten wĂĽrde. Vielleicht ahnte sie es, aber zu ändern war es ohnehin nicht.

„Tolles Wetter, findest du nicht, du hĂĽbscher kleiner Kristall?“, schmeichelte Smörre und kam prompt ins Reden. „Ich komme von Norwegen rĂĽber, mit einer kleinen Zwischenlandung im Polarmeer. Da drĂĽben ist es viel wärmer, die meiste Zeit habe ich als Wassertropfen in Wolken und Fjorden verbracht. Geile Landschaft, warst du schon mal dort?“

Thekla hielt die Klappe. Irgendwann muss er doch aufhören, dachte sie.

Genau heute vor 1.000 Jahren hatte Thekla alles hinter sich, was die Schneeflockenpsychologieliteratur an Traumata, seelischen Verletzungen, depressiven Zustünden und psychosozialen Verhaltensauffälligkeiten je niederschrieb. Nur eines hatte sie noch nie: geredet. Aber an diesem Dienstag herrschte so wunderschönes Wetter auf dem Sermeq Kujalleq, dass sie es nicht mehr aushielt.

„Wunderschönes Wetter heute, nicht wahr, kleine Flocke?“, flötete Smörre, wartete aber wie gewöhnlich keine Antwort ab, sondern wollte gerade weiterbrabbeln, wie er damals in Sibirien, als ähnliches Wetter herrschte, unter ein Mammut geriet, als Thekla schlieĂźlich platzte.

„HALT! ENDLICH! DEINE! VERDAMMTE! KLAPPE!“, schrie sie aus Leibeskräften.

Smörre schwieg verdutzt. Für zehn Sekunden. Bis er seine historische Chance auf ein Gespräch erkannte.

„Ha! Sie kann ja doch reden, unsere kleine Eisprinzessin. Hast du dich in mich verliebt, Rotznäselchen?“

Thekla biss sich auf die Zunge. Neunhundert Jahre lang biss sie sich auf die Zunge. Aber sie wusste, irgendwann wĂĽrde ihr Tag kommen.

Genau heute vor 100 Jahren, kurz nach 12 Uhr, lief die RMS Titanic in Southampton zu ihrer Jungfernreise aus. Vier Tage und elfeinhalb Stunden später kollidierte sie bei voller Reisegeschwindigkeit mit ihrer vorderen Steuerbordseite mit einem etwa 300.000 Tonnen schweren Eisberg, der wahrscheinlich vom Gletscher Jakobshavn Isbrö stammte, den die Grönländer „Sermeq Kujalleq“ nannten. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte dabei ein kleiner Gesteinsbrocken, der dem Schiff einen Riss von etwa zehn Metern Länge auf Höhe der Frachträume 2 und 3 zufĂĽgte.

Ein kleiner Wassertropfen namens Smörre löste sich von dem Stein und wurde vom Sog in den Maschinenraum gezogen. Ein anderer kleiner Wassertropfen namens Thekla aber schwamm an die eisige Wasseroberfläche und genoss das einzigartige Schauspiel eines sich in die Tiefe bewegenden Schiffs, das sie fortan „sagenhaft sausuper Smörre-Sarg“ nannte – sprachlich nicht ganz korrekt, aber wenn man fast zehntausend Jahre lang schweigen muss, kann das schon mal passieren.

Weitere Verantwortliche fĂĽr den Untergang der Titanic sind
Vollmond | Neumond – die Mondphasen
FrĂĽhling | Herbst – die Jahreszeiten
Tag | Nacht – der Stand der Sonne

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Dienstag, April 10th, 2012 Film, Geschichte

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