Friedrich der Große | George Washington


Geschichte

Friedrich der Große
George Washington

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Abgegebene Stimmen: 136
Beginn der Abstimmung: 4.2.2013, 07:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -


Jürgen Overhoff: Friedrich der Große und George Washington. Zwei Wege der AufklärungHeute vor 224 Jahren, am 4. Februar 1789, wurde George Washington zum ersten Präsidenten der USA gewählt. Zu diesem Zeitpunkt war der „Alte Fritz“ schon seit drei Jahren tot. Auch waren sich beide Staatsmänner nie begegnet. Wozu also dieses WIDL-Pärchen?

Dazu kann uns jemand Auskunft geben, der sich mit beiden Staatsmännern eingehend beschäftigt hat: Der Historiker Jürgen Overhoff zeigt in seinem Buch „Friedrich der Große und George Washington. Zwei Wege der Aufklärung“ nicht nur, was die beiden verbindet und was sie unterscheidet, sondern auch, wie sie übereinander dachten. Da dies nicht nur exzellent recherchiert, sondern auch spannend geschrieben ist, sagten wir uns: Lass den Fachmann ran!

Wir freuen uns sehr, dass sich Jürgen Overhoff spontan bereit erklärt hat, exklusiv für uns ein fiktives Gespräch der beiden Aufklärer zu notieren. (Im Gegenzug haben wir versprochen, dass ihr alle sein Buch kauft. Das war doch ok, oder?)

Der große preußische König Friedrich II. (1712-1786) und der erste amerikanische Präsident George Washington (1732-1799) waren die wohl bedeutendsten Staatenlenker des Zeitalters der Aufklärung. Doch obgleich sie Zeitgenossen waren, trafen sie sich nie persönlich. Denn keiner von beiden überquerte jemals den Atlantik. Sie schrieben einander auch keine Briefe. Dennoch hatten sie sich beständig im Blick. Durch die Berichte von weitgereisten Bekannten oder auch anhand von Zeitungsartikeln konnten sie sich hinreichend über die Leistungen des jeweils anderen informieren. So bildeten sie sich im Laufe der Zeit eine feste Meinung über Preußen, die USA, die höchst unterschiedlichen Varianten der Aufklärung in Europa und Amerika und über ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Regierungsstil.

Im direkten Schlagabtausch hätten die beiden hohen Herren einander sicherlich viel zu sagen gehabt. Da es zu diesem interessanten Wortgefecht wegen der großen räumlichen Distanz ihrer Lebenswelten im 18. Jahrhundert nicht gekommen ist, wollen wir Friedrich dem Großen und George Washington heute – in der global so stark vernetzten Zeit des World Wide Web – die einmalige Gelegenheit geben, zumindest in der virtuellen Wirklichkeit einen kurzen Dialog zu führen. Dabei argumentieren der König und der Präsident auch posthum so, wie man es nach der genauen Kenntnis ihrer Schriften erwarten darf. Gegenstände des Gesprächs sind ihre persönlichen Vorlieben und die politisch bedeutsame Frage, warum es falsch oder richtig ist, das Volk zu einer Abstimmung über die Regierenden an die Wahlurne zu bitten.

GW: Sire, Ihr seid ein begnadeter Staatsmann und Feldherr!
FdG: Ich weiß das, Your Excellency, aber auch Ihr seid ein begabter Politiker und Krieger!
GW: Ihre Majestät schreiben auch elegante französische Gedichte, wie ich vernommen habe!!??. Das ist erstaunlich! Und so feinsinnig! Und so geistreich!
FdG: Merci, das ist ein sehr schönes Kompliment. Allerdings: Voltaire war mein Lehrer.
Und vergesst bitte nicht: Ich spiele auch kunstreich die Flöte. Das erhebt mein Herz.
GW: Nun, so musisch bin ich nicht. Doch ich tanze recht gern. Nicht immer gut, aber gern. Die Schrittfolge kann mitunter ein wenig verwirrend sein. Im Vergleich zum Nahkampf im Krieg ist der Reigen mit den Damen in jedem Fall der mildere Konflikt.
FdG: Damen? Konflikt? Ach, ja: Les dames, oh, là, là. Was soll ich dazu nur sagen!!??
GW: Was soll’s. Wie auch immer. Ich hörte auch, Sire, ihr liebt feingliedrige Windspiele? Auch ich finde Gefallen an diesen grazilen und geschwinden Geschöpfen. Übrigens: Meinen Lieblingswindhund habe ich unter einer teuren Grabplatte aus Marmor beerdigen lassen.
FdG: Meine Liebe geht da noch weiter: Ich werde mich gemeinsam mit meinen Windhunden auf der Terrasse meines Schlosses Sanssouci bestatten lassen. Das habe ich schon testamentarisch so verfügt.
GW: Mit Verlaub, Sire, das ist skurril!
FdG: Nicht jeder versteht mich. Nicht jeder kann mich verstehen. Das ist mir ganz gleich. Tut nichts zur Sache. Über meine mitunter rätselhaften Motive, die mein Handeln hier und da leiten – ob im Privatleben oder in meiner Regierungsführung – darüber darf hier in Preußen jeder räsonieren. Auch öffentlich. Aber man muss mir gehorchen. Unbedingt.
GW: Was Ihr da sagt, Sire, gefällt mir nicht. Denn so redet ein tyrannischer Alleinherrscher. Tut als Privatmann, was immer Ihr wollt. Aber als Regent dürft Ihr bei der politischen Willensbildung Eures Staates nicht über die Ansichten und Meinungen des Volkes hinwegsehen. Die Bürger müssen gefragt werden. Ihre Repräsentanten haben bei der Gesetzgebung die entscheidende Stimme.
FdG: Bürger? Es gibt nur Fürsten und Untertanen. In Preußen bin ich der Fürst, hier habe ich das Sagen. Meine Untertanen haben mir zu gehorchen. Umfassend und absolut.
GW: Absolutely not!
FdG: Mais oui, tout ce que j’ai dit, c’est absolument vrai!
GW: Aber Sire, in Amerika führen wir doch vor, dass bürgerschaftliches Engagement glückt. Demokratie ist keine Utopie. Sie funktioniert. Eine Republik ist nicht einfach nur ein Traum, sie ist bei uns schon Realität!
FdG: Ich möchte Euch wirklich nicht zu nahe treten, Your Excellency. Ihr wisst, ich bewundere Eure Tatkraft, Euren Mut, Eure Entschlossenheit und Eure Willensstärke. Aber Ihr seid auch ein Fantast. Eure demokratische Ordnung mag vielleicht für den Augenblick taugen. Aber sie wird keine Zukunft haben. Sie führt ins Chaos. Denn das Volk weiß bei seiner Wahl niemals genau, was es da macht – und warum es das wählt, was es wählt. Die meisten Menschen sind von Unverstand und blinden Leidenschaften getrieben. Führen kann ein Volk nur ein verständiger Fürst, dessen sicheres Expertenwissen den dumpfen Gefühlen einer Volksmasse stets vorzuziehen ist.
GW: Ich habe da eine dezidiert andere Meinung. Ich glaube, dass Mehrheitsbeschlüsse ihre ganz eigene Weisheit besitzen. Ich traue den Menschen sehr viel zu. Wähler sind clever. Wir sollten Ihre Entscheidungen nicht arrogant kommentieren, sondern stets respektieren. Außerdem: Wenn sich so ein charismatischer Homme de lettres, wie Ihr es seid, zur Wahl stellte, vielleicht könnten sich die Wähler sogar für ihn entscheiden. Allerdings nur auf Zeit. Eine Amtszeit muss auf wenige Jahre begrenzt sein. Danach hättet ihr Euch einer erneuten Abstimmung zu stellen.
FdG: Kein schöner Gedanke! Zu Lebzeiten werde ich mich in Preußen jedenfalls garantiert niemals auf eine solche Wahl einlassen. Ne jamais! Aber unsere Gesprächszeit ist jetzt abgelaufen. Deswegen möchte ich nur noch eines zum Schluss zu bedenken geben: Ob wir das beide nun wollen oder nicht, die Nachwelt wird sich über uns und unsere Taten stets aufs Neue ein eigenes Urteil bilden. Also lasst uns weiteren Ruhm erwerben. Wohlan!

Dieses WIDL war ein Vorschlag von Stephan.

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Montag, Februar 4th, 2013 Geschichte

1 Kommentar to Friedrich der Große | George Washington

  1. Beides Freimaurer.

    Deswegen „Weder noch“.

    :)

  2. sagte Leser am Februar 9th, 2013

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