Karl Valentin | Liesl Karlstadt


Film Literatur

Karl Valentin
Liesl Karlstadt

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Abgegebene Stimmen: 166
Beginn der Abstimmung: 14.2.2011, 07:00 Uhr
Ende der Abstimmung: - offen -


Heute ist Valentinstag. Eine gute Gelegenheit, den großen Humoristen, Komiker und StĂŒckeschreiber Karl Valentin gemeinsam mit seiner langjĂ€hrigen Schauspielpartnerin Liesl Karlstadt mit einem WIDL zu wĂŒrdigen.

Bei Youtube fand sich auch prompt eine Handvoll Videos, von denen uns eines besonders gefiel (und auch die WIDL-Grafik inspirierte): „In der Apotheke“. Darin versucht Karl Valentin in seiner unnachahmlichen Art, der stets bemĂŒhten Apothekerin Liesl Karlstadt zu erklĂ€ren, welches Medikament er gerne hĂ€tte. Leider hat er den Namen vergessen. Nach und nach finden sie gemeinsam heraus, dass es sich wohl nur um Isoprophenylpropyldimetylamidolon (so Ă€hnlich, nur viel lĂ€nger) handeln könne, ein PrĂ€parat, dessen Namen Liesl Karlstadt so beilĂ€ufig auszusprechen in der Lage ist, wie unsereins „Schnupfen“ oder „Aspirin“ sagt. Leider war die Akustik des Videos etwas fragwĂŒrdig, was uns auf die Idee brachte, den Text zu transkribieren und hier zu veröffentlichen.

Sicherheitshalber fragte ich gut zwei Wochen vor dem geplanten Veröffentlichungstermin bei der Karl-Valentin-Gesellschaft nach, ob wir das ĂŒberhaupt dĂŒrfen. Da auf die Mail keine Antwort kam, benutzte ich einige Tage spĂ€ter das Kontaktformular auf der offiziellen Webseite von Karl Valentin mit derselben Anfrage. Als auch hierauf keine Antwort kam, bat ich – weil nun die Zeit bis zum Erscheinungstermin etwas knapp wurde – auf dem selben Weg um RĂŒckruf, und schaute mir die Seite nochmals grĂŒndlich an. Hier entdeckte ich die Adresse des Anwalts, der fĂŒr die Rechte Karl Valentins zustĂ€ndig ist.

Vorsichtshalber schickte ich nun auch diesem die Anfrage. Prompt kam von dessen Kanzlei eine Antwort (die sich allerdings auf mein allererstes Schreiben bezog), in der es hieß, man freue sich grundsĂ€tzlich ĂŒber das Interesse am Werk von Karl Valentin, mĂŒsse mir jedoch mitteilen, dass die angefragte Nutzung nicht möglich sei. Bei dem von mir angegebenen youtube-Video handele es sich um eine rechtswidrige Nutzung des Werks „In der Apotheke“, so dass youtube dieses Video mittlerweile gelöscht habe.

In der Apotheke

Ein kurzer Check bei Youtube ergab, dass nicht nur dieses, sondern alle zuletzt noch verfĂŒgbaren Karl-Valentin-Videos gelöscht waren. Vermutlich war also kein einziges der dort veröffentlichten Videos jemals autorisiert gewesen. Das war zwar schade, aber nicht zu Ă€ndern. Da das WIDL mittlerweile seit einigen Tagen angekĂŒndigt war, wollte ich sichergehen, dass wenigstens unsere Grafik anwaltliche Gnade fĂ€nde und antwortete umgehend:

schönen Dank fĂŒr Ihre Antwort, die uns naturgemĂ€ĂŸ etwas enttĂ€uscht zurĂŒcklĂ€sst. Die lange Zeit unbeanstandete Existenz dieses und anderer Youtube-Videos brachte uns auf die Idee, Ihre Mandantschaft habe diese selbst autorisiert, um den Freunden des Valentinschen Humors die Möglichkeit zu geben, dessen Werke auch anderen nahezubringen.

Da wir nun mit leeren HĂ€nden dastehen: DĂŒrfen wir Ihre Antwort zitieren, um unseren Leserinnen und Lesern erklĂ€ren zu können, warum es uns nicht möglich ist, die Illustration mit Filmmaterial anzureichern? Und: Bestehen aus Ihrer Sicht EinwĂ€nde gegen die Grafiken an sich? Ich habe sie Ihnen hier nochmals angefĂŒgt.

FĂŒr Ihre MĂŒhe danke ich Ihnen recht herzlich!

Zwei Stunden spĂ€ter klingelte das Telefon. Karl Valentins Anwalt persönlich. Ob ich ein „Nein“ nicht als „Nein“ akzeptieren könne? Warum ich die halbe Karl-Valentin-Gesellschaft sowie seine Kanzlei auf Trab halten mĂŒsse? Ob ich nicht verstĂŒnde, dass es das gute Recht seiner Mandantschaft sei, die Nutzung solcher Videos zu verbieten? Ich könne, ich mĂŒsse nicht und ich tĂ€te, antwortete ich und entschuldigte mich fĂŒr die Unannehmlichkeiten, die ich ja nun wirklich nicht beabsichtigt hatte.

Wir unterhielten uns dann noch ein Weilchen und ich erfuhr, dass viele Rechte 70 Jahre nach Valentins Tod, also im Jahr 2018 ausliefen, aber nicht alle, denn Karlstadt war ja erst 12 Jahre nach ihrem BĂŒhnenkollegen gestorben. Dass das Auffinden von widerrechtlich ins Netz gestellten Videos und Texten kein Honigschlecken sei und dem Kampf mit einer Hydra Ă€hnele. Dass ĂŒberhaupt stĂ€ndig nervige Anfragen kĂ€men, und dass im Zusammenhang mit dem Internet prinzipiell ĂŒberhaupt nichts genehmigt wĂŒrde. Aber auch, dass wir die WIDL-Grafik gerne veröffentlichen könnten, man erkenne ja ohnehin nichts drauf. Ich bedankte mich und legte auf.

Seither geht mir die Geschichte stÀndig durch den Kopf. So oft anscheinend, dass mir heute Nacht im Traum der Karl Valentin erschien, aber nur auf der linken Seite. Auf der rechten erschien mir die Liesl Karlstadt. Grad wie auf dem Bild oben. Sie sprachen folgendes:

KV: [Betritt eine Apotheke in MĂŒnchen.]: Guten Tag.
LK: [Ist die Apothekerin.]: Guten Tag. Kann ich Ihnen helfen?
KV: Das weiß ich nicht. Warum wollen Sie mir denn helfen?
LK: Ich meine, woran leiden Sie denn?
KV: An meiner Nachbarin. Wenn Sie mir helfen wollen, könnten Sie …
LK: Nein, nein. Benötigen Sie ein Medikament?
KV: [Zieht einen Zettel heraus.] Genau.
LK: Ah, Sie haben ein Rezept. Wie heißt es denn?
KV: Rezept.
LK: Nein, das Medikament.
KV: [Liest den Zettel.] Asporon.
LK: Pscht!
KV: [Dreht sich um, sieht aber niemand sonst in der Apotheke.] Was ist?
LK: Sie meinen wahrscheinlich Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
KV: Nein, Asporon!
LK: Pscht!
KV: Was pschten Sie denn dauernd?
LK: Sie dĂŒrfen das nicht sagen.
KV: Pscht?
LK: Nein, das andere.
KV: Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
LK: Nein, das davor.
KV: Asporon?
LK: Pscht!
KV: Ja was ist denn mit dem Aspo…
LK: Pscht!
[Kramt in der Schublade, holt eine Packung Asporon heraus und zeigt sie her.]
LK: Schaun’s, hier steht’s drauf.
KV: [Holt eine Brille heraus und liest.] Asporon.
LK: Pscht! Nein! Darunter!
KV: Isoprophenylpropyldimetylamidolon. Ja, warum heißt das dann Aspo…
LK: Pscht! Weil das leichter auszusprechen ist als Isoprophenylpropyldimetylamidolon. Und sich drum besser verkauft.
KV: Ja dann hĂ€tt ich jetzt gerne das Aspo…
LK: Pscht!
KV: … dann hĂ€tt ich jetzt gerne das Isoprophenylpropyldimetylamidolon.
[SchĂŒttelt den Kopf.]
KV: Ja Herrgottszeiten, warum darf man denn das Aspo…
LK: Pscht!
KV: … dingsda nicht aussprechen?
LK: [Hebt den Zeigefinger.] Weil: Das ist geschĂŒtzt.
KV: Vor wem?
LK: Vor den Patienten. Dass die das nicht aussprechen.
KV: Ja, aber warum?
LK: Ja, das ist das gute Recht der Firma. Die hat das ja erfunden, und jetzt muss die das schĂŒtzen vor rechtswidrigem Gebrauch.
KV: Aha. Und wenn jetzt zum Beispiel meine Nachbarin an Encephalomalacie leidet und das Aspo… ha! … das Isoprophenylpropyldimetylamidolon dagegen hilft, dann darf ich ihr nicht sagen, dass sie das Aspo…dingsda nehmen soll?
LK: Nein, das darf nur der Arzt. Und der Apotheker.
KV: Aber nicht der Patient?
LK: Nein. Nicht der Patient. Da macht er sich ja strafbar, der Patient. Daher steht das ganz genau auf der Packung drauf.
KV: Verkaufen Sie eigentlich viel von dem … Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
LK: Nein. FrĂŒher haben wir mehr Asporon…
KV: Pscht!
LK: Ich darf das aussprechen als Apotheker.
KV: Sie sind doch gar kein Apotheker nicht.
LK: [Stellt sich auf die Zehenspitzen.] Sehr wohl, mein Herr, ich habe Pharmakologie studiert.
KV: Ja schon, aber da mĂŒssen’s jetzt schon genau sein. Sie sind doch Apothekerin. Steht davon etwas auf der Packung?
LK: [Studiert die Packung.] Ich glaube nicht.
KV: Sengs.
LK: [ungeduldig] Ja wollen Sie jetzt das … Isoprophenylpropyldimetylamidolon?
KV: Wollen hĂ€tt‘ ich schon dĂŒrfen, aber trauen hab ich mich nicht gemocht.

Leute, denen dieses WIDL gefallen hat, schauten auch hier vorbei:
Winnetou | Old Shatterhand – mit freundlicher Genehmigung der Karl-May-Gesellschaft, Radebeul
AmpelmĂ€nnchen Ost | AmpelmĂ€nnchen West – mit freundlicher Genehmigung der AMPELMANN GmbH, Berlin

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Montag, Februar 14th, 2011 Film, Literatur

9 Comments to Karl Valentin | Liesl Karlstadt

  1. Oje. Fast jede(r) zweite kennt Karl Valentin nicht. Das ist schade.

  2. sagte uli am Februar 14th, 2011
  3. Genau, das hat mich auch erstaunt, dass so viele Menschen Karl Valentin & Liesl Karlstadt nicht kennen. Aber die Geschichte um die Veröffentlichungsgeschichte als WIDL ist eine geniale Hommage Ă  Valentin & Karstadt. Nur eins noch: „WER IST DIR LIEBER“ greift bei Zwillingskomikern einfach nicht. In Ă€hnlich gelagerten FĂ€llen mĂŒsste man die ILBG – Alternative haben:ICH LIEBE BEIDE GLEICHERMASSEN.

  4. sagte Helmut Bachschuster am Februar 15th, 2011
  5. Jein. Bei mir war’s klar. Als Kind hatte ich immer ein bisschen Bammel vor dem Valentin. Auf der Straße wollte ich dem nicht begegnen. Karlstadt war dagegen immer die „Normale“, aber auch mal LausbĂŒbische. Heute sehe ich das natĂŒrlich anders, bewundere aber dennoch die schauspielerische Leistung der Karlstadt, die ja die ProjektionsflĂ€che fĂŒr den Valentinschen Humor bildet.
    Das Problem mit dem „weder | noch“ vs. „alle beide“ werden wir wohl nie lösen, denn fĂŒnf Antworten, von denen nur zwei eine klare Antwort fordern – das wĂ€ren einfach zu viele.

  6. sagte uli am Februar 15th, 2011
  7. Ja, manchmal sind die sauguten Leute dermaßen kompliziert. Die Liesl Karstadt musste sehr unter Valentin leiden – und trotzdem waren die beiden fĂŒr den Zuschauer-hörer ein Teil der „Schule des Humors“. Zum Thema „Entscheiden“. Ich muss mich ja nicht entscheiden. Manchmal reicht es ja auch, die genialen Beschreibungen zu genießen!

  8. sagte Helmut Bachschuster am Februar 15th, 2011
  9. ’s ist mir als BĂŒrger semibavaroider Provenienz ja doppelt peinlich, aber ich musste da oben auch auf „kenne beide nicht“ klicken. Die Namen, ja, die schon. Aber ich wĂŒsste nicht mal, wie die Dam- und Herrschaften aussehen. Schade, bei DuRöhre BildungslĂŒcke schließen geht jetzt also auch nicht mehr …

  10. sagte chw am Februar 16th, 2011
  11. Das muss einen nicht grĂ€men: Mein Kalender zeigt mir tĂ€glich anscheinend berĂŒhmte Leute, von denen ich noch nie etwas gehört habe und damit meine BildungslĂŒcken – was soll’s? Ein schöner Anlass, neue, alte Leute kennen und lieben zu lernen.Was bedeutet „DuRöhre BildungslĂŒcke“?

  12. sagte Helmut Bachschuster am Februar 17th, 2011
  13. DuRöhre = YouTube :)
    Der Rest der UnverstÀndlichkeit war meinem schlampigen Satzbau geschuldet.

  14. sagte chw am Februar 19th, 2011
  15. […] Leinwand und Keilrahmen und klären zunächst dass, anschließend warum kaum einer mehr Karl Valentin […]

  16. sagte eldersign.de » Blog Archiv » hypertext goes theater – Das Letz niest IV am MĂ€rz 3rd, 2011
  17. Oh, das ist aber ĂŒberraschend das nur noch so wenige Liesl Karlstadt kennen. Eine großartige Schauspielerin und Kabarettistin. Eigentlich heißt sie Elisabeth Wellano.

  18. sagte Alexander Zorn am MĂ€rz 15th, 2011
 

NĂ€chstes WIDL am Mo, 31.8.2015:

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